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Kolumne vom 10. März 1999
Am Tag der Bundesratswahlen ist es wieder so weit: Das Leben in der Wandelhalle
wird in die Stuben der Normalsterblichen direkt übertragen. Wer nicht vor
Ort in diesem Polit-Betrieb steckt, glaubt gewiss, Journalisten und Journalistinnen
seien bevorzugte Wesen. Wie sie da den Politikern mit Rat und Tat zur Seite
stehen, sie duzen oder ihnen zumindest kumpelhaft auf die Schultern klopfen
dürfen, wie sie die Parlamentarier gar antichambrieren lassen. Ja, das
Leben als Berichterstatter und Kommentierer bringt Berührungen mit allerlei
Berühmtheiten, mit Machthabenden und Einflussreichen. Welch ein beneidenswertes
Leben!
Aber das Publikum ahnt nicht, dass die Journaille von denen, über die sie berichtet, in ihrem Innersten verachtet wird. Alle denken sie über die Journalisten das schlechteste - obwohl sie ihnen jede Zuvorkommenheit erweisen: vom Polizisten, der den Reporter über ein Verbrechen informiert, über den Theaterdirektor, der die Fauteuils in den besten Rängen für die Berufskritiker reserviert, bis zum Parteipräsidenten, der dem politischen Redaktor Insiderinformationen zusteckt. Die Leute behandeln die Medienschaffenden nur deshalb gut, weil sie sie entweder für ihre eigenen Interessen instrumentalisieren oder weil sie sich vor Erpressung und Niedertracht fürchten. Vor Willkür: Mal schmähen die Journalisten einen genialen Menschen mit einer Spalte von Beschimpfungen, ein andermal überschütten sie einen Kertin mit apologetischen Lobeshymnen.
Willig erteilen
also Politiker, Beamte, Unternehmer, Intendanten, Künstler und Wissenschafter
ihnen alle erbetenen Informationen - zuweilen diktieren sie sie auch gleich
wörtlich, weil sie die bodenlose Unwissenheit der Berichtenden kennen und
vermeiden wollen, dass ihnen weiss welcher Blödsinn in den Mund gelegt
wird. Gewiss, in jeder
Redaktion gibt es zwei oder drei Intelligente, zwei oder drei Ethiker, zuweilen
auch ein oder zwei Personen, die gleichzeitig über Urteilsvermögen
und Gewissen verfügen. Aber an all die anderen gilt es zu denken, wenn
die Polit-Show über den Bildschirm des Schweizer Fernsehens flimmert.![]()