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Kolumne vom 24. März 1999
Seit
bald zehn Jahren verfolgen wir das Gemetzel auf dem Balkan. Kaum eine Nachrichtensendung
vergeht, ohne dass neue Greueltaten vermeldet werden: massakrierte Kinder, von
Granaten zerfetzte Menschen, vergewaltigte Frauen auf der Flucht, Mütter, die
um ihre verschleppten Männer und Söhne weinen, von Friedenstruppen entdeckte
Massengräber. Längst schauen wir weg. Schliesslich blickt man bei der komplizierten
ethnischen Zusammensetzung von Serben, Muslims und Kroaten eh nicht mehr durch.
Wer kämpft da eigentlich gegen wen? Fast scheint es, als habe dort jeder gelernt,
jeden zu hassen und jedem zu misstrauen, jeden anzugreifen. Bei uns im Westen
ist das anders - zivilisierter halt. Nur schade, dass die preiswerten Ferienangebote
aus Jugoslawien in diesem Sommer erneut entfallen. Störend auch, wenn die
so wenig sympatischen Kroaten, Bosnier und Kosovo-Albanier aus ihrer in unsere
Welt fliehen...
Aber alle wissen wir, dass die humanitäre
Katastrophe «dort unten» längst heimisch geworden ist. Auch die
Politik weiss das seit bald zehn Jahren. Nur, in Bosnien gibt's kein Erdöl.
Im Kosovo auch nicht - da begreift jeder und jede, wie schwierig oder gar unmöglich
eine militärische Aktion der Alliierten gewesen wäre. War. Denn nun kommt's
doch noch zu einem europäischer Golfkrieg: Mit Bomben will die Nato unter
der Federführung der USA eine humanitäre Katastrophe vermeiden. Plötzlich
spricht sie vom Schutz der Menschenrechte, von einer «Mission»,
von einer «Intervention». Warum dann aber - wenn das Argument stimmt
- nicht schon früher? Und warum keine Bomben für die Kurden? Im Nato-Land
Türkei wird mit der Unterstützung des Paktes seit Jahren ein erbarmungsloser
Krieg gegen Kurden geführt. Ihnen wird ganz einfach die ethnische Anerkennung
verweigert. Und unter den Augen der desinteressierten Weltöffentlichkeit
werden.