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Kommentar:
Der
allmähliche Tod des Fussballs
VON MATS LUCA
Die Partie im italienischen Fussballcup zwischen Sampdoria Genua und Bologna musste in der 52.Minute abgebrochen werden. Fans aus dem Sektor der Sampdoria bewarfen den gegnerischen Torhüter mit allerlei Gegenständen, so u.a. auch mit einem Wasserhahn. Dabei hätte dieses Spiel gleichfalls als Test für die FIFA-Idee des zweiten Ref auf dem Platz dienen sollen. Ein Kommentar über einen Abend, denn es so nie hätte geben dürfen.
Feuerwerke, Orangen, volle Cola-Dosen und Wasserhähne. Konsumgut aus einem herkömmlichen Wochenmarkt? Leider nicht. Sondern Gegenstände für die ganz "normalen" Verrücktheit einer Hooligangruppe, die sich mitunter auch Fans nennen. Das Fussballstadion von Genua erlebte in dieser Nacht Szenen einer nicht zu tolerierende Gewalttätigkeit. Inakzeptabel in Genua, aber auch in Mailand, München oder Madrid.
Dieser Spielabbruch hat dem italienischen Fußball eine tiefe und sehr schmerzliche Wunde hinterlassen. Und sie hat auch die Frage nach der Grenze der Vernunft aufgeworfen, weil der "Calcio" auch ein wichtiger Bestandteil des italienischen Alltags und der Gesellschaft ist. Eine milliardenschwere Kermes, die keine Lösung finden kann oder auch nicht will, um die Gewalt aus den Fussballstadien zu verbannen. Dieser Abruch hat so eine tiefe moralische Wunde hinterlassen, dass selbst das Debüt des zweiten Schiedsrichter auf dem Feld, - eine Idee, für die sich bekanntlich FIFA Boß Josef Blatter stark macht -, in ein anderes Licht rücken läßt.
Jetzt ist ein heftiges moralischen Beben nötig in dieser Fussballwelt, die für Spieler Milliarden ausgibt, aber keine konsequenten und erfolgversprechenden Maßnahmen treffen kann, um solche Szenerien zu eliminieren. Jetzt sind drastische Änderungen gefragt, schnell und unbürokratisch, sonst stirbt der Fußball. Zwar nur langsam, aber er stirbt. Solche Szene wie im Stadion von Genua sind nicht mehr tolerierbar, denn zu viele Menschen sind an diesem Abend ungewollt dem Risiko ausgesetzt worden, nicht mehr heil nach Hause gehen zu können. Der Fussball ist ein kranker Koloss, ein schwer kranker Patient der jetzt möglichst schnell kuriert werden muß.
In diesem Spiel wurden - wieder einmal - moralische Grundsätze einfach zur Seite geschoben. Denn wenn eine Person jemand anderen mit einem Gegenstand vorsätzliche Verletzungen zufügt, wird er verhaftet und schnellstens verurteilt, ohne wenn und aber. Warum nicht auch so im Fußball? Diejenigen, die an diesem Abend den "Krieg" ausgelöst haben, wollten einfach das dieses Spiel nicht seinen ganz normalen Lauf findet. Es durfte kein normales Ende geben mit Sieger und Verlierer, es mußte an diesem Abend nur Verlierer geben. Aber es gibt einen moralischen Kodex, denn alle lernen sollte, und der auch im Fussball seine Gültigkeit haben muß, nicht nur im normalen Leben. Weil, wer in einem Fussballstadion auf einer Stehrampe steht oder auf der Tribüne sitzt, der darf nicht sein Leben dafür riskieren.
Es kann auch nicht sein das in Italien, einem Land das keine Dritte Welt Status hat, solche Vorfälle ohne jegliche Gegenwirkung einfach hingenommen werden. Die Allgemeinheit geht in Fussballstadien um sich ein Spiel, eine Spektakel anzuschauen. Daher, oder gerade aus diesem Grunde sind die Vereine gefragt, ihre Stellung zu überdenken und sich ihrer Verantwortung gegenüber denjenigen bewußt zu werden, die gutes Geld ausgeben, um sich ein Fußballspiel anzusehen. Die Lösung sollte nichts anderes sein, als das Beispiel anderer Länder, wo schon seit Jahren die Anhänger beider Mannschaften gemeinsam und ohne polizeiliche Bewachung ein Fussballstadion betreten können.
Es
wird langsam Zeit, diesen explosionsartigen Gewalttätigkeiten ein endgültiges
Ende zu setzten, allerdings nicht nur in Italien. Die Fussballwelt muß sich
eine Struktur schaffen, in dem auch die Vernunft und der Anstand gegenüber Kontrahenten
einen wichtigen Stellenwert einnimmt. Diesbezüglich müssen sich alle, angehend
von den Vereinen, den Spieler über Fans und Medien ändern. Keiner darf sich
jetzt der Verantwortung entziehen.